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Ansichten | 15. Januar 2016

Environmental Branding oder der territoriale Anspruch des Fussball-Stickers

Zürich hat zwei Fussballklubs, den FCZ und die Grasshoppers. Für einen Touristen, der die hiesige Situation der zwei Vereine nicht kennt, wird spätestens bei einem ersten Spaziergang durch die Stadt klar, dass die zwei Fangruppen das Manifestieren mit den Vereinsinitialen in öffentlichen Zonen ausleben. 

Dabei werden die Initialen des Vereins oder der Support-Vereinigung in einer flexiblen und grafisch durchaus ansprechenden Form auf einen haftenden Untergrund gebracht. Dieser wiederum wird danach von einem Supporter oder einer Supporterin des Clubs an einer möglichst gut sichtbaren Stelle angebracht. Ziel und Zweck dieses Gebarens, unschwer festzustellen, ist die Gebietsabsteckung. Also eine Art Markieren der Vormachtsstellung der jeweiligen Fan-Kultur.

Heute, da die zwei Stadtclubs in ein und demselben Stadion spielen, gibt es kein natürliches Territorialgefüge mehr, das den Supportern der Clubs adäquat zugeordnet werden kann. Nun blüht die Stunde des territorialen Brandings. Der Sticker, Botschafter und visuelles Sprachrohr, bezieht Stellung. Auf Strassenschildern, Lichtsignalen, Stromverteilern und Strassenkübeln – der Sticker klebt, und lebt.

Da Überkleben der gegnerischen Partei einer Abreissaktion vorgezogen wird, füllt sich der öffentliche Grund zunehmend mit Parolen und Identifikationszeichen. Die eigene Semantik wird dabei oft höher eingestuft als die überklebte Botschaft. Auch wenn diese nachweislich eine führende Funktion im sozialen Gefüge einer Stadt wahrnimmt. Der Fankleber, in seiner Aussage meistens limitiert, lenkt keinen Verkehr, führt keine Blinden und schafft keine Klarheit über Ankunfts- und Abfahrtszeiten des öffentlichen Verkehrs.

Der Sticker proklamiert Identifikation, schafft Heimat. Heimat für die Südkurve, für die Boys, den blauen Block, den Fanclub Letzi, den Fanclub 1896 oder den 18bluewhite86, den Blauweisse-Hoppers, den Blue White Bulldogs oder den East Boys etc.

Die Kleberei verfolgt insofern eine vergleichbare Strategie wie Guerilla-Marketing. Mit wenig Mitteln grosse Wirkung entfalten. Präsenz schaffen für Identifikation. Neugierde wecken oder identitätsstiftende Wirkung ermöglichen. Raum für Suchende definieren. Denn suchen nach Identifikation, nach Heimat, deren Symbolen fetischhaft gehuldigt werden, das entspricht der Zeit.

Das Klebephänomen bedient sich eines einfachen Mechanismus der Kommunikation. Nur schade, dass die Botschaften so einsilbig sind und die Platzierungen oftmals falsch.

Leicht angereicherte Semantik schenkte den Supporterklebern auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit.

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